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Wenn 3.000 Stimmen zeitgleich erklingen

Judith und das wunder
der schöpfung

Mit 16 dirigiert sie zum ersten Mal einen Chor
– heute formt Miriam Schäfer aus Hunderten, manchmal Tausenden Stimmen einen Klang, der hängen bleibt.

Für das neue Chormusical der Stiftung Creative Kirche „Judith und das Wunder der Schöpfung“ arrangiert und leitet sie den Chor, der im Zentrum des Stückes steht.
Und erzählt dabei – fast nebenbei – auch etwas über uns als Gesellschaft.

Ein Gemeindesaal und 80 Teenager
Miriam Schäfers Weg zur Chorleiterin hatte keine Umwege. Damals, in ihrer Gemeinde, heißt das Projekt „Tensing“ – Teenager singen. Ein achtzigköpfiger Chor, eine Band, sie selbst am Bass, „weil ich fand Bass spielen cool“.

Und dann fällt plötzlich die Chorleitung öfter aus. Eine Jugendreferentin sagt zu ihr: „Miriam, ich glaube, du kannst das.“

Was dann passiert, klingt nicht nach Lebensplan, eher nach einem dieser Momente, die man erst später als Weiche erkennt. Miriam übernimmt – und merkt:

Blonde woman singing into a microphone and playing a digital piano in front of a "Das Musical" banner.
Rough purple painted stroke on a green background.

„Boah, das macht
richtig Spaß.“

Ich habe
eine Nische gefunden" -
und sie
heißt Chor

Miriam, 40, hat Gesang und Komposition für Popularmusik studiert und arbeitet bei der Stiftung Creative Kirche – dort, wo Pop, Glaube und Gemeinschaft keine Gegensätze sind. Ihr Alltag: Proben, Workshops, Stimmen. Ihre Leidenschaft: Chöre.

„Dieses Instrument „Chor“ ist was Besonderes“, sagt sie, „das geht nur mit mehreren zusammen.“

Warum gerade Chor? Weil er mehr ist als Sound. Für Miriam ist das kein schöner Satz fürs Programmheft, sondern eine tägliche Erfahrung: Man kann Musik alleine machen, aber dieses spezifische „Wir“ entsteht nur, wenn viele sich aufeinander einlassen.
„Mehrere Menschen zu einem Instrument zusammen- zubringen“, nennt sie das.

Gospel als Herzschlag
Gospel ist dabei ihr emotionaler Motor. Nicht als Stilfrage, sondern als Sprache.
„Das ist meine Form, meinen Glauben auszudrücken“, erzählt sie – Musik als Weg in die Tiefe, wenn Worte zu klein werden.Schon als Jugendliche merkt sie: Das ist mehr als „tolle Musik“. Es zieht sie –
wie sie sagt – „immer mehr in eine Beziehung zu Gott“. Dieser geistliche Hintergrund ist da,
ohne dass er sich aufdrängt. Er sitzt eher unter der Oberfläche, wie ein Grundton..

Ich habe eine
Nische gefunden" -
und sie heißt Chor

Two men on stage with microphones address an audience, a "DAS MUSICAL" banner in the background.

„Es gibt nicht nur den Bösen oder den Guten in einer Geschichte“, sagt sie. Stattdessen: Menschen, die man kennenlernt. Dynamiken, die man wiedererkennt. Und dieser unangenehm ehrliche Effekt, dass man sich nicht rausreden kann. „Du bist dann nicht mehr nur Zuschauer“, sagt sie, „sondern du identifizierst dich vielleicht.“

Zwischendurch fällt ein Satz, der hängen bleibt, weil er größer ist als das Stück: Hinter allem stehe „die größte Liebesgeschichte, die wir kennen“ – Gott und Mensch. Und trotzdem spielt „Judith“ im Hier und Jetzt.

„Judith“ erzählt keine ferne Legende, sondern eine Geschichte, die in die Gegenwart greift: eine junge Frau zwischen den Fronten, eine Familie am Limit, gesellschaftliche Spannungen, die bis ins Private reichen. Judith ist schwanger, verliebt, wütend, verletzlich. Ammo, der junge Mann an ihrer Seite, bringt seine eigene Geschichte mit – und plötzlich ist da nicht nur Liebe, sondern auch die Frage, wie wir einander ansehen, wenn wir Angst haben.

Was Miriam an „Judith“ reizt, ist nicht zuerst das Spektakel, sondern der Gegenwartsbezug. „Wir sind in dieser Zeit und damit staubaktuell“, sagt sie. Klimakrise, Generationen, Vorurteile, Hetze und Populismus – all das bekommt in der Geschichte Raum, ohne in einfache Schubladen zu kippen.

Female conductor, seen from behind, arm raised, leads a large choir with a music stand.
Rough purple painted stroke on a green background.

„Du bist dann nicht mehr nur Zuschauer“

Font
Font

"Es geht nicht um Wucht,
es geht um Nähe"

A group of men singing in a choir, holding sheet music.
Women sing in a choir, holding sheet music, practicing in a well-lit room.
A "Recordings! Please be quiet!" sign on a glass door, showing people and recording equipment inside.

Jetzt liegt ein Projekt auf ihrem Pult, das schon in der Vorstellung nach einer besonderen Größenordnung klingt: „Judith und das Wunder der Schöpfung“. Am 21. Februar 2026 feiert das Chormusical in der Westfalenhalle Dortmund Premiere – gleich zwei Vorstellungen, um 14 Uhr und um 19 Uhr.

Für Miriam bedeutet das vor allem: Übersetzen. Sie hat die Chor-Arrangements zu den Songs erstellt – so, dass sie für Chorgrößen funktionieren, die irgendwo zwischen 800 und 3.000 Stimmen liegen. Laien sollen nicht überfordert werden, aber die Kraft des Chors soll spürbar bleiben. Es ist Präzisionsarbeit, ja. Aber auch Menschenkunde. Denn vor ihr stehen nicht „Stimmen“, sondern Biografien: der Siebenjährige neben der 91-Jährigen.

Doch wer nur an „groß“ denkt, verpasst das Eigentliche.

„Judith“: „staubaktuell“,
und genau deshalb persönlich

Gänsehaut ist nicht das Ziel, aber oft der Anfang

Miriams stärkste Momente im gesamten Musical-Prozess sind Proben. Sie erzählt von einer
Kick-off-Probe mit 3.000 Menschen – und davon,
wie ein Lied aus dreitausend Kehlen plötzlich
Gewicht bekommt. Miriam hört in solchen Momenten nicht nur Töne – sie hört Haltung. Wenn viele
Menschen gemeinsam singen, wird ein Satz plötzlich persönlicher, als man ihn je allein sagen könnte.
Die Lieder sitzen nicht nur im Kopf, sondern irgendwo tiefer. „Die haben das inhaliert“, sagt sie –
verinnerlicht, nicht nur auswendig gelernt.

Miriams stärkste Momente
im gesamten Musical-Prozess sind Proben. Sie erzählt von einer Kick-off-Probe
mit 3.000 Menschen –
und davon, wie ein Lied aus dreitausend Kehlen plötzlich Gewicht bekommt.
Miriam hört in solchen Momenten nicht nur Töne –
sie hört Haltung. Wenn viele Menschen gemeinsam singen, wird ein Satz plötzlich persönlicher, als man ihn je allein sagen könnte.
Die Lieder sitzen nicht nur im Kopf, sondern irgendwo tiefer. „Die haben das inhaliert“,
sagt sie – verinnerlicht,
nicht nur auswendig gelernt.

Miriams stärkste Momente im gesamten Musical-Prozess sind Proben. Sie erzählt von einer Kick-off-Probe mit 3.000 Menschen –
und davon, wie ein Lied aus dreitausend Kehlen plötzlich Gewicht bekommt. Miriam hört in solchen Momenten nicht nur Töne – sie hört Haltung. Wenn viele Menschen gemeinsam singen, wird ein Satz plötzlich persönlicher,
als man ihn je allein sagen könnte.
Die Lieder sitzen nicht nur im Kopf, sondern irgendwo tiefer. „Die haben das inhaliert“,
sagt sie – verinnerlicht, nicht nur auswendig gelernt.

Conductor leading a choir of older women with an electronic keyboard in front.

Wie sieht ein perfekter Premierenabend für eine Dirigentin aus, die Perfektion zwar erwartet, aber nicht vergöttert?
„Das Gelingen setze
ich voraus“, sagt Miriam und lacht – und meint
damit die Professionalität von Band, Orchester und Cast. Das Eigentliche aber sei, dass es „überspringt“: dass das,
wovon man singt, nicht nur konsumiert, sondern gespürt wird. Gänsehaut als Anfang. Nachhall als Ziel. Vielleicht,
weil sie selbst Mutter ist.



Wenn Miriam Schäfer am 21. Februar also den Taktstock hebt, steht sie wieder da wie mit sechzehn: vorn, die Hände oben, das Herz wach. Nur dass der Raum größer ist – und die Frage dahinter auch.

„Ich möchte es aus Liebe zu meinen Kindern.
Ich möchte das aus Liebe zur Schöpfung“

A choir conductor directs a large choir in a concert hall, with many singers holding sheet music.

Wer erleben
will, wie
aus vielen Stimmen
ein gemeinsamer
Satz wird,
findet Infos zur Dortmunder
Premiere und
Tickets online.

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